Sodbrennen (Refluxkrankheit)

Allgemeines
Entstehung
Diagnose
Therapie

-- Literatur Sodbrennen (PDF)

Allgemeines
Unter Sodbrennen versteht man quälende brennende Schmerzen hinter dem Brustbein. Die in fast allen Fällen zugrunde liegende Erkrankung nennen wir "Refluxkrankheit".
14% der Erwachsenen leiden mindestens einmal täglich unter Sodbrennen, bei 7% kommt es täglich zu den unangenehmen Beschwerden.

Entstehung
Zwei wesentliche Ursachen liegen dieser Erkrankung zugrunde: Einerseits besteht eine Funktionsstörung des Speiseröhren-Schließmuskels, der ein Zurückfließen von Magensaft in die Speiseröhre verhindern soll. Die zweite Hauptursache der Refluxkrankheit ist eine verminderte Peristaltikfunktion der Speiseröhre und/oder eine eingeschränkte Magenentleerung. In beiden Fällen kommt es zu einer verlängerten Kontaktzeit von Magensaft mit der Speiseröhrenschleimhaut. Es findet sich zuviel Magensaft für zu lange Zeit in der Speiseröhre, dadurch wird die Schleimhaut der Speiseröhre geschädigt und es kommt zum Auftreten der unangenehmen Beschwerden.

Symptome der Refluxkrankheit
Die Symptome der gastroösophagealen Refluxkrankheit können vielfältig sein. Die meisten Betroffenen klagen neben Sodbrennen über unangenehmes Aufstoßen von Magensaft oder Speiseresten (Regurgitieren), besonders beim Bücken oder im Liegen.
Aber auch chronischer Husten oder Heiserkeit, Asthma und wiederkehrende Lungenentzündungen können durch die Refluxkrankheit verursacht sein bzw. verstärkt werden.
Die Lebensqualität der betroffenen Patienten ist bei schwereren Formen der Erkrankung oft massiv eingeschränkt, mehr als bei allen anderen chronischen Erkrankungen. Hauptsächliches Therapieziel in der Behandlung der Refluxkrankheit ist daher eine Normalisierung der Lebensqualität der Patienten unabhängig davon, ob eine medikamentöse Behandlung oder eine Operation durchgeführt wird.

Diagnose
In den meisten Fällen sind die Beschwerden so typisch, dass Ihr Arzt die Diagnose ohne weitere Untersuchungen stellen und die entsprechenden Medikamente verordnen kann.
Kommt es allerdings unter Therapie nicht zum gewünschten Erfolg oder zu einem Wiederauftreten der gleichen Beschwerden (Rezidiv), sind weiterführende Untersuchungen erforderlich.

Therapie
Die Therapie der Refluxkrankheit fußt auf drei Säulen:

  • Allgemeinmaßnahmen
  • medikamentöse (konservative) Therapie
  • chirurgische Therapie / Operation

Bestehen regelmäßige, immer wiederkehrende Beschwerden, kann es zum Auftreten von Komplikationen kommen, wie zum Beispiel einer Verengung der Speiseröhre, zu Blutungen oder zum Auftreten des so genannten "Barrett-Ösophagus", einer gefürchteten Veränderung der Speiseröhrenschleimhaut, auf deren Boden sich auch ein Speiseröhrenkrebs entwickeln kann. In diesen Fällen sind eine konsequente Abklärung und Behandlung erforderlich, um ein Fortschreiten der Erkrankung bzw. die Entwicklung allfälliger Komplikationen zu verhindern.

1. Allgemeinmaßnahmen

  • Gewichtsreduktion (ca. 70% der Betroffenen sind übergewichtig)
  • Schlafen mit erhöhtem Oberkörper
  • 2 bis 3 Stunden vor dem Schlafengehen nichts essen
  • Mehrere kleine Mahlzeiten, statt wenige große Mahlzeiten täglich
  • Kein Nikotin
  • Kein Alkohol
  • Eiweißreiche, fett- und kohlenhydratarme Ernährung
  • Keine engen Kleider
  • Stress vermeiden
  • Regelmäßiger Stuhlgang

2. Medikamentöse (konservative) Therapie
Das Prinzip der medikamentösen Therapie der Refluxkrankheit besteht in der dauerhaften Reduktion der Produktion der Magensäure. Dadurch kommt es zu einer deutlichen Verminderung der Säurekonzentration im Magensaft wie auch zu einer Reduktion des Magensaftvolumens. Es kommt zwar weiterhin zum Zurückfließen von Magensaft in die Speiseröhre, dieser verursacht aber keine bzw. weniger Entzündungsreaktion in der Speiseröhre, weil er wegen des geringeren Säureanteils weniger aggressiv ist. Es handelt sich also um eine rein symptomatische Therapie.
Am besten wird dieses Therapieziel der effektiven Säuresekretionshemmung mit den Protonenpumpenblockern erreicht. Der Therapieerfolg sollte in jedem Fall endoskopisch überprüft werden.
In 90% der Fälle kann mit diesen Medikamenten eine Abheilung der Refluxösophagitis und Beschwerdefreiheit erreicht werden. Bei den meisten Patienten kommt es allerdings nach Absetzen der medikamentösen Therapie zu einem Rückfall. Dann ist eine Fortsetzung der Therapie mit Protonenpumpenblockern oft über Jahre erforderlich. Bei ca. 20% kommt es sogar unter Dauertherapie mit Protonenpumpenblockern zu einem Rückfall.

3. Chirurgische Therapie / Operation
Führt die medikamentöse Therapie nicht zu einem ausreichenden Erfolg, steht mit der laparoskopischen Fundoplikation eine wirkungsvolle Operation zu Verfügung.
Ziel der chirurgischen Therapie ist die Wiederherstellung der Antirefluxbarriere, also eine Verbesserung der gestörten Funktion des Speiseröhrenschließmuskels. Dies wird erreicht, indem aus Teilen des Magens operativ eine Manschette gebildet wird, die wie ein Schal um die Speiseröhre geschlungen wird. Dadurch kann der Rückfluss von Magensaft in die Speiseröhre vermindert werden. Zugleich kann ein – zumeist vorhandener – Zwerchfellbruch repariert werden.

Wer soll operiert werden?
Indiziert ist das operative Vorgehen vor allem bei Patienten, die unter medikamentöser Therapie zwar hinsichtlich des Sodbrennens schmerzfrei werden, während andere Symptome noch weiter bestehen, wie zum Beispiel Regurgitieren von Magensaft bzw. Speiseresten, Heiserkeit, Asthma oder nächtliche Hustenanfälle. Die Kriterien für eine Operation sind im Folgenden aufgelistet.

  • Versagen der medikamentösen Therapie
  • Wunsch des Patienten (will nicht jahrelang Medikamente einnehmen)
  • "Volumenreflux"
  • Große Hiatushernie (> 5 cm)
  • Gallereflux (gemischter Reflux)
  • Asthma, Heiserkeit (bei Nichtansprechen auf medikamentöse Therapie)

Wie wird die Fundoplikation durchgeführt?
Der Eingriff wird in Form einer so genannten "Knopflochchirurgie" durchgeführt. Über 5 kleine Einstiche wird die Operation unter Beobachtung mit einer Kamera durchgeführt. Studien konnten zeigen, dass die laparoskopische Fundoplikation in spezialisierten Zentren eine Erfolgsrate von über 90% im Langzeitverlauf erreicht. Auch die Lebensqualität dieser Patienten ist auf lange Sicht ausgezeichnet. Wesentlich für optimale Langzeitresultate sind eine exakte präoperative Diagnostik.
In 10-15% kommt es im Laufe der Jahre zu einem Wiederauftreten von Sodbrennen. In diesem Fall kann es notwendig sein, die Operation ein zweites Mal durchzuführen.


Fundoplikation: intraoperativer Situs


Fundoplikat: schematische Darstellung

Hiatushernie: endoskopisches und radiologisches Bild

 

NEU !!

Seit 2008 bieten wir die Fundoplikation auch als rein endoskopischen Eingriff an (sog. Plicator-Methode). Diese Methode wird in Europa nur in wenigen hochspezialisierten Zentren angewendet. Der Eingriff wir mit einem speziellen Gerät, dem sogenannten Plikator, durchgeführt und bedeutet eine deutliche Verbesserung des Patientenkomforts, da keine Operation mehr erforderlich ist, sondern der Eingriff endoskopisch durchgeführt wird. Ca. 30% der Refluxpatienten können von dieser neuen Methode profitieren.

   

 

Funktionsabklärung der Speiseröhre

Wenn Sie unter medikamentöser Therapie der Refluxkrankheit nicht völlig beschwerdefrei sind bzw. wenn es nach Absetzen der Medikamente rasch zu einem Rückfall der Beschwerden kommt, sowie vor Durchführung einer geplanten Operation, muss eine funktionelle Untersuchung des Speiseröhrenschließ- muskels durchgeführt werden.
 
Barrettmetaplasie: endoskopisches
und histologisches Bild
 

Folgende Untersuchungen sind erforderlich:

  • Magenspiegelung (Gastroskopie)
  • Magenröntgen
  • Druckmessung des Schließmuskels (Manometrie)
  • 24-Stunden-Säuremessung in der Speiseröhre (pH-Metrie)
  • In besonderen Fällen: Impedanzmessung

Um die Ergebnisse nicht zu verfälschen, müssen säurehemmende Medikamente (Protonenpumpenblocker, H2-Blocker) für eine Woche vor der Untersuchung pausiert werden.
Die Magenspiegelung (Gastroskopie) zeigt die Lokalisation und das Ausmaß der Entzündung auf. Der Schweregrad der Ösophagitis kann von leichten Schleimhautrötungen bis hin zu Geschwüren oder schweren Komplikationen wie Blutungen, Engstellen bzw. auch einem beginnenden Krebs reichen. Bei auffälligen Befunden können während der Magenspiegelung kleine Proben für die feingewebliche Untersuchung entnommen werden.
Mit Hilfe der Speiseröhrendruckmessung (Manometrie) lässt sich das Ausmaß der Funktionsstörung der Speiseröhre und des Speiseröhrenschließmuskels genau abschätzen. Es wird dazu eine feine Sonde durch die Nase in die Speiseröhre eingeführt. Die Untersuchung dauert etwa 20 Minuten.
Die Säuremessung (pH-Metrie) quantifiziert die Säureexposition der Speiseröhre und hilft bei der Zuordnung der Refluxepisoden zur Symptomatik. Es wird dazu ebenfalls eine dünne Sonde über die Nase in die Speiseröhre vorgeschoben. Diese Sonde wird über 24 Stunden belassen. Der Körper gewöhnt sich sehr rasch an diesen Fremdkörper, und Sie sind während dieser 24 Stunden weitestgehend unbeeinträchtigt.
Mit der Impedanzmessung können Refluxe erstmals auch dann nachgewiesen werden, wenn sie nicht durch Säure verursacht werden. Der Untersuchungsablauf gleicht dem der Säuremessung. Wird die Impedanzmessung durchgeführt, braucht keine eigene Säuremessung erfolgen.

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