Adipositas

Allgemeines
Diagnose

Therapie

TIPP: Übersichtliche Informationen zum Thema finden Sie im Poster "Adipositaschirurgie", den Sie als PDF-Dokument downloaden können.

Allgemeines

Wir sprechen von krankhafter Adipositas, wenn der Body Mass Index eines Menschen über 35 beträgt. Krankhaftes Übergewicht stellt ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar, verbunden nicht nur mit einer massiven Einschränkung der Lebensqualität, sondern auch mit einer eingeschränkten Lebenserwartung. Zusätzlich haben stark Übergewichtige mit massiven psychosozialen Problemen zu kämpfen. Dass "Dicke" in unserer Gesellschaft abgelehnt werden, führt nicht selten zu sozialer Isolation.

Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, Zuckerkrankheit, Schlafapnoe, Gelenksschmerzen, Krampfadern und Sodbrennen sind einige der gefürchteten Begleiterkrankungen der krankhaften Adipositas.

"Essen Sie doch weniger und machen Sie mehr Sport!"

Solche "guten Ratschläge" müssen sich Adipositas-Patienten immer wieder anhören. Tatsache ist, dass zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt haben, dass Allgemeinmaßnahmen - wie vermehrte Bewegung, der Versuch, eine strenge Diät durchzuführen, oder auch die Einnahme von Medikamenten zum Abnehmen - keine mittel- bis langfristigen Erfolge aufweisen.

Eine dauerhafte Gewichtsreduktion ohne Operation ist bei krankhaftem Übergewicht kaum zu erreichen. Die meisten Betroffenen haben während ihres Lebens schon Hunderte Kilos an Körpergewicht abgenommen - und später wieder zugenommen.

Um diesen Menschen zu einem annähernd normalen Körpergewicht zu verhelfen, stehen verschiedene etablierte Operationstechniken zur Verfügung.

Diagnose

Zur Klassifizierung des Übergewichts wird der so genannte Body-Mass-Index (BMI) herangezogen. Er ist eine Verhältniszahl zwischen dem Gewicht und der Körpergröße.

Gewicht BMI
Normalgewicht 18 bis 25
Übergewicht 25 bis 30
Adipositas Grad I 30 bis 35
Adipositas Grad II 35 bis 40
Adipositas Grad III (= krankhafte Adipositas) über 40

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Therapie

Eine dauerhafte Gewichtsreduktion bei der krankhaften Fettsucht ist nur durch eine Operation zu erreichen.

Was sind die Voraussetzungen für eine Operation?

  • 45 kg oder mehr über dem idealen Körpergewicht und ein BMI von 40 oder mehr
  • BMI von 35 oder mehr und eine oder mehrere der folgenden adipositasbedingten Begleiterkrankungen:
    (Diese Begleiterkrankungen sind durch eine gewichtsreduzierende Operation besserungsfähig oder heilbar.)
    • Diabetes mellitus Typ II
    • Bluthochdruck/Herzkrankheit
    • Unfruchtbarkeit/Menstruationsstörungen
    • Osteoarthrose an belasteten Gelenken
    • Schlafapnoe/Atemprobleme
    • Gastroösophagealer Reflux/Sodbrennen
    • Venenerkrankungen
    • Depression
    • Fettstoffwechselstörung
    • Erhöhtes Risiko für Brustkrebs
  • Vorgeschichte mit zahlreichen dokumentierten Diätversuchen
  • Verpflichtung zur lebenslangen Nachsorge und Einhaltung von Ernährungs-, Bewegungs- und medizinischen Vorschriften
  • Psychologische Beurteilung
  • Kenntnis und Akzeptanz der Risiken eines operativen Eingriffs: Alle größeren Operationen bergen bestimmte Risiken. Bitte sprechen Sie über diese ausführlich mit Ihrem Arzt.

Wichtige Überlegungen bei allen chirurgischen Eingriffen zur Gewichtsreduzierung:

  • Eine Operation zur Gewichtsreduzierung ist keine Schönheitsoperation!
  • Die Entscheidung zur Operation erfordert eine sorgfältige Abwägung von Risiko und Nutzen.
  • Der Erfolg der chirurgischen Therapie hängt auch von der langfristigen Änderung Ihres Lebensstils hinsichtlich Ernährung, Bewegung und Verhalten ab.
  • Nach der Operation können Probleme auftreten, die einen weiteren Eingriff erforderlich machen.
  • In großen Studien liegt die Sterblichkeitsrate bei chirurgischer Gewichtsreduzierung bei 0,3%.
  • Ziel der Operation ist, mindestens 50% des Übergewichts ohne wesentliche Nebenwirkungen zu verlieren und das erzielte Gewicht dauerhaft zu halten.

In Österreich werden im Wesentlichen zwei verschiedene Operationsverfahren durchgeführt:

  1. Verstellbares Magenband
  2. Roux-en-Y-Magen-Bypass
1. Verstellbares Magenband

Beschreibung:

  • Um den obersten Teil des Magens wird ein Band gezogen, das den Magen in einen kleinen und einen großen Abschnitt unterteilt.
  • Das Band ist verstellbar, damit die Einschränkung vergrößert oder verringert werden kann.
  • Der Eingriff kann rückgängig gemacht werden.
  • Verdauung und Absorption verlaufen normal.

Ergebnisse:

  • In großen Studien betrug der mittlere Verlust an Übergewicht 3, 4 bzw. 5 Jahre nach der Operation 49%, 55% bzw. 57%.

Risiken: Insgesamt ist die Gefahr einer Komplikation sehr gering. Als spezielle Risiken bei diesem Verfahren sind zu beachten:

  • Magenperforation oder Reißen der Magenwand
  • Leck oder Verdrehung am Füllreservoir
  • Möglicherweise bleibt das erwünschte Sättigungsgefühl aus.
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Entleerungsstörung
  • Pouch-Erweiterung
  • Wandern/Verrutschen des Bandes

Ernährungsvorschriften:

  • Sie dürfen immer nur eine bestimmte Flüssigkeitsmenge zu sich nehmen und müssen häufiger kleinere Portionen anstatt einmal eine größere Menge essen bzw. trinken.
  • Wenn Sie Medikamente nehmen müssen, beachten Sie die Anweisungen Ihres Arztes. Nehmen Sie keine Abführmittel, die auf Körner, Samen oder Quellstoffen basieren.
  • Eine Vitaminergänzung ist ratsam.

Verstellbares Magenband (SAGB - Swedish Adjustable Gastric Band)

 

2. Roux-en-Y-Magen-Bypass

Beschreibung:

  • Mit einer Klammernaht wird eine kleine Tasche (Pouch) im oberen Magen geschaffen, die die zuführbare Nahrungsmenge begrenzt.
  • Ein Teil des Dünndarms wird mit einem Bypass überbrückt, wodurch sich die Nahrung erst später mit den Verdauungssäften vermischen kann, sodass eine vollständig Kalorienabsorption verhindert wird.

Ergebnisse:

  • 1 Jahr nach der Operation durchschnittlich 77% weniger Übergewicht
  • Nach 10-14 Jahren immer noch 60% weniger Übergewicht
  • Eine große Studie belegt, dass 96% bestimmter adipositasbedingter Gesundheitsprobleme sich gebessert hatten oder geheilt waren (Rückenschmerzen, Schlafapnoe, Bluthochdruck, Diabetes mellitus Typ II, Depression).
  • In den meisten Fällen berichten Patienten von einem frühen Sättigkeitsgefühl in Kombination mit einem Gefühl der Zufriedenheit.

Risiken: Alle größeren Eingriffe bergen in sich die Gefahr einer Komplikation. Als spezielle Risiken bei diesem Verfahren sind zu beachten:

  • Schlechte Resorption von Eisen und Kalzium
  • Chronische Anämie durch Vitamin-B12-Mangel
  • Auftreten eines Dumping-Syndroms, wenn zuviel Zucker oder zu große Nahrungsmengen zugeführt werden
  • Ausdehnung der Magentasche
  • Der ausgeschaltete Restmagen, der Zwölffingerdarm und Segmente des Dünndarms sind auf Röntgenbildern oder endoskopisch nur schwer darstellbar

Ernährungsvorschriften:

  • Die Nahrung muss gut gekaut und in mehreren Portionen über den Tag verteilt gegessen werden. Soßen oder gebratene/frittierte Nahrung sind zu vermeiden, ebenso zuckerhaltige Lebensmittel.

Roux-en-Y-Magen-Bypass

 

TIPP: Mehr Informationen zur krankhaften Fettsucht erhalten Sie auf den Seiten der Adipositas-Selbsthilfegruppe unter www.adipositas-shg.at.

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